Nachhaltigkeit
ökologische, ökonomische und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit
ökologische, ökonomische und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit
Versetzen wir uns zurück in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Damals war Ökologie zwar in der Fachwelt der Biologen durchaus ein wichtiger Begriff, jedoch beim "normalen" Bürger i.d.R. ein Fremdwort. Man belächelte die Menschen, die sich für Natur und Umwelt einsetzten, für die Tiere und Pflanzen als gleichberechtigte Spezies neben dem Menschen angesehen wurden, die dafür kämpften, dass die natürlichen Lebensgrundlagen auch für unsere Kinder und Enkelkinder erhalten werden sollten. Sie engagierten sich für den Umweltschutz, kämpften gegen die Ausbeutung der Natur. So entstand Ende der siebziger Jahre aus bundesweit agierenden Umweltschutzbewegungen die Partei "Die Grünen". In ihren Anfangsjahren betrachtete man diese engagierten Menschen in selbst gestrickten Pullovern und Birkenstocksandalen als Wesen vom anderen Stern. Sie konnte man einfach nicht ernst nehmen. Es waren Spinner, die nicht in die Welt des Wirtschaftswachstums zu passen schienen. Gott sei Dank findet man diese Einstellung nur noch bei unerschütterlichen Marktöko-nomen, die immer noch der Ansicht sind, dass man die Welt zugunsten des Profits ohne Rücksicht auf Verluste ausbeuten könnte. Heute findet sich das Thema "Ökologie" mit mehr oder weniger ernsthaft durchdachten Konzepten in den Programmen aller Parteien wieder. Das Wort "Öko" oder "Bio" ist sogar beim Einkauf im Supermarkt inzwischen ein nicht mehr wegzudenkender Begriff.
Aber was ist eigentlich Ökologie? In der Sprache der Wissenschaft ist die Ökologie ein Fachbereich der Biologie, der die Wechselbeziehungen zwischen einzelnen Organismen und der Umwelt beschreibt, erstmals von Ernst Haeckel im Jahr 1866 als Lehre vom Naturhaushalt erwähnt. Die Fachwelt des Biologen spricht von Ökosystemen, von zusammenhängenden Lebensräumen von Flora und Fauna (Pflanzen und Tiere), von Biotopen: natürlich entstandene, abgegrenzte Landschaftsbestandteile, wie z.B. Wälder, Bäche oder auch der natürlich entstandene Bewuchs einer jahrelang frei liegenden Brachfläche nach Abriss von Gebäuden. Die Rede ist von der Biozönose, der Lebensgemeinschaft verschiedener Arten von Pflanzen und Tieren und vom biologischen Lebensraum, dem „Habitat".
Das ökologische Gleichgewicht ist nun allerdings vor allem durch menschliche Einwirkungen bedroht: Wertvolle Biotope mit seltenen Pflanzen- und Tierarten werden zugunsten der Bebauung von Wohnhäusern oder gewerblichen Gebäuden zerstört, Autobahnen und Straßen zerschneiden zugunsten der Mobilität des Menschen und zum Nutzen der Wirtschaft idyllische Landschaftsschutzgebiete, Flüsse werden zugunsten der Schifffahrt begradigt oder erweitert, Wälder werden zugunsten ökonomischer Interessen rücksichtslos abgeholzt....Hier ließen sich noch weitere Beispiele aufführen.
Aber die Politik scheint Gott sei Dank inzwischen begriffen zu haben, dass die Zerstörung der Ökosysteme, ein zerstörter Naturhaushalt, die Lebensgrundlagen des Menschen gefährdet. Hier greift nun der Biotopschutz ein. Inzwischen bestehen bei uns gesetzliche Regelungen, die den Naturschutz ernst nehmen. So muss z.B. bei Biotopen, die einer Bebauung zum Opfer fallen, ein Ausgleich durch gleichwertige Ersatzmaßnahmen erfolgen. Begradigte Flüsse werden in bestimmten Gebieten wieder naturalisiert, besonders wertvolle Biotope werden als Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen, schützenswerte Naturparks, wie z.B. der Nationalpark Wattenmeer an der Nordseeküste, inzwischen von der UNESCO zum Weltnaturerbe geadelt, lassen hoffen, dass in unserer Gesellschaft begriffen wurde, dass der Mensch ohne intaktes Ökosystem nicht überleben kann.
„Wir haben die Erde von unseren Kindern geborgt“, so warnten die ersten Wahlplakate der „Grünen“ vor der rücksichtslosen Zerstörung der Umwelt. Diese Aussage ist inzwischen aktueller denn je. Der jahrzehntelange bedenkenlose Ausstoß des schädlichen Kohlendioxids, vor allem durch Industrie und Kraftverkehr, hat inzwischen dramatische Folgen angenommen: Umweltkatastrophen wie Hurrikans, Tornados, verheerende Sturmfluten, aber andererseits auch Dürrekatastrophen, die die Versteppung und Verwüstung immer größerer Flächen zur Folge haben, sind Zeichen des Klimawandels und sie sollten eigentlich für jeden ein Warnzeichen sein. Wir können nicht mehr so weiterleben wie bisher.
Was ist zu tun? In erster Linie sollte uns klar werden, dass die von uns, also in erster Linie von den reichen Industrienationen verursachtem ökologischen Desaster kein nationales Problem ist. Es ist eine globale Aufgabe, die von allen Staaten in der ganzen Welt bewältigt werden muss. Inzwischen wurde begriffen, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit überall Vorrang besitzen muss. Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir so leben müssen, dass auch die zukünftigen Generationen Überlebenschancen haben. Unsere Kinder und Kindeskinder haben das Recht, in einer intakten Umwelt zu leben. Politiker (fast) aller Staaten setzen sich inzwischen zu regelmäßigen Gipfelkonferenzen zusammen, um über die drängenden Probleme im Umwelt- und Klimaschutz zu beraten. Aber leider bisher mit wenig Erfolg und ohne greifende, für alle Staaten verbindliche Konzepte. Politische Ökologie, das Prinzip der Nachhaltigkeit ist leider für viele noch immer ein Fremdwort. Umweltschutzverbände, Klimaschützer, soziale Organisationen, denen der Erhalt einer globalen intakten Umwelt ein Herzensanliegen ist, kämpfen immer noch gegen Windmühlenflügel, weil verantwortliche Politiker weltweit nicht in der Lage sind, umzudenken. Rücksichtsloses Ausbeuten der begrenzten Ressourcen wie Öl, Gas, Kohle anstatt Förderung und Ausbau erneuerbarer Energien, wie Windkraft, Sonnenenergie oder nachwachsender Rohstoffe sind wohl angeblich wirtschaftlich effektiver. Welch folgenschwerer Irrtum.
Ökologie und Nachhaltigkeit sind die wichtigsten Begriffe heute und für die Zukunft, denn was könnte wichtiger sein, als der Erhalt der Lebensgrundlagen weltweit. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, in einer intakten Umwelt menschenwürdig zu leben. Aber es gibt Hoffnung.